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-Geschichte-

Geschichte der Wiler Fastnacht

„Fastnacht“ war in den dreissiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts auch in Wil nurmehr eine Zeit ausgelassenen Treibens für ein paar Wenige. Vor und während des zweiten Weltkrieges haben zur Fastnachtszeit vereinzelte Vereine kleine „Umzüge“ organisiert. Abgesehen von den Maskenbällen im Landhaus und Schwanen war in Wil aber nicht viel los. Erst die Nachkriegsjahre brachte ein wenig Schwung in die Wiler Fastnacht. Die zur Fastnacht aktiven Vereine (KTV, ETV, Arbeiter-Turnverein, Motorradclub, Verkehrs- und Verschönerungsverein, die Stadtmusik, die Tambouren sowie eine Mitarbeitergruppe der Firma Agrar) haben sich zusammengetan um gemeinsam einen grösseren Umzug zu organisiert. Die damalige Gemeindeverwaltung unter Stadtamman Löhrer auf die Erhebung einer Vergnügungssteuer verzichtet. Dafür wurde im Rathaus ein von den Vereinen geschaffener Fonds für Umzüge verwaltet, der bei finanziellen Überanstrengungen der Umzugsveranstalter eine gewisse Defizitgarantie leisten sollte. Die Fastnachtsumzüge hatten jedenfalls bei den Zuschauern und Beteiligten derart Furore gemacht, dass die Vereine im Jahre 1950 beschlossen, künftig eine „Kommission“ mit der Organisation der Strassenfastnacht zu betrauen.

 

Fastnachts-Kommission gegründet

Die ins Leben gerufene Kommission, bestand aus den Wilern Paul Schmitt, Oskar Rey, Thomas Stillhart, Alex Bannwart, Albert Wyss, Karl Peterli und Gust Weber. Sie verstanden sich sogleich als Trägerschaft der fastnächtlichen Kultur. Paul Schmitt als erster Präsident beschrieb den Vereinszweck in den FGW-Statuten (Fastnacht-Gesellschaft Wil) wie folgt: „Die FGW bezweckt die Förderung von fastnächtlichen Veranstaltungen, die Pflege traditioneller Bräuche und die Durchführung von Anlässen aller Art. Sie ist bestrebt, das Fastnachtsbild zu heben. Insbesondere strebt die FGW die Organisation und Durchführung von Umzügen und Bällen usw. an, ferner die Herausgabe einer Schnitzelbank oder Fastnachtszeitung“.

 

Die Fastnacht 1951 war dann auch erstmals „wohlorganisiert“. Sie wurde am Gümpeli-Mittwoch mit dem sogenannten „FGW-Treffen“ auf dem Hofplatz feierlich eröffnet; dies unter dem Beisein der Stadtmusik, der Tüüfel und erstmals mit kostümiertem Prinz. Erstmals wurde am Fastnachtssonntag ein grosser, einheitlicher Umzug abgehalten, bei dem auch der Prinz und eine Nörgeli-Gruppe mitmarschierten. Mit dem Nörgeli, eine typische Wiler Bezeichnung, wurde bereits 1951 eine bekannte Wiler Persönlichkeit karikiert und verbrannt.

Der Umzug

Bis 1956, also fünf Jahre lang, findet sich in der Organisation der Wiler Fastnacht jedes Jahr der „Grosse Umzug“. Für das Folgejahr 1957 hat sich der Neunerrat - noch immer unter dem Präsidium von Paul Schmitt - etwas Besonderes einfallen lassen: Anstelle eines „Grossen Umzuges“, der vor allem durch die Mitwirkung Erwachsener zustande kommen konnte, sollte sich diesmal die Kinder, die ja den Hauptanteil an der Strassenfastnacht ausmachten, zu einem Kinderaufmarsch formieren. Wiederum vom Neunerrat angeregt war der Nörgeli, diesmal keine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens sondern eine Märchenfigur. Der grossartige Erfolg und die enorme Beteiligung am ersten Aufmarsch der Kinder sollte in der Folge dazu führen, dass dieser alle zwei Jahre - alternierend mit dem grossen Umzug - bis heute stattfinden konnte.In den ersten Jahren wurden zur Sicherstellung der Umzugskosten jeweils Umzugsführer und Abzeichen verkauft. Seit 1957 wird durch die FGW ein sogenannter Fahrplan erstellt, der an alle Haushaltungen in der Region Wil kostenlos abgegeben wird.

 

Brauchtum fördern

Mit viel Engagement organisiert die FGW Veranstaltungen und Umzüge entschädigt dabei jeweils die Teilnehmer. So kommt wie noch 1951 auch heute noch die FGW für den Materialaufwand der diversen Umzugsgruppen auf. Und selbst wer Probleme bei der Planung oder Gestaltung des Umzugswagen hat, wird von der FGW unterstützt: spezielle Sujet-Beratungs-Sitzungen räumen allfällige Probleme aus dem Weg, damit das fastnächtliche Vergnügen nicht nur auf der Seite der Umzugsbesucher, sondern auch auf jener der Wagenbauer ist.