18’000 feiern die Wiler Fastnacht – und ein Stadtrat brennt als Nörgeli
Sonnenschein, volle Strassen und 57 Nummern: Der Umzug lockte Tausende an. Im Fokus stand Stadtrat Jigme Shitsetsang als Nörgeli – wegen des neuen Standorts für das Stadtfest. Was hinter der Kritik steckt und wie er selbst reagiert.
Von Zita Meienhofer, Tagblatt.ch
Was wollen die Wiler Fastnächtler am Umzug vom Sonntag noch mehr: Sonnenschein, viel Publikum am Strassenrand, 57 Nummern, die für die richtige Stimmung sorgten und einen Nörgeli, der stolz darauf ist, dass er der diesjährige Nörgeli ist. Die Rede ist von Stadtrat Jigme Shitsetsang. Sein Vergehen: den Standortwechsel des Stadtfests. Dafür gabs es schon im Vorfeld harsche Kritik. Und so stand nun im Begleittext am Nörgeliwagen: «Stadtfest gehört in die Obere Bahnhofstrasse und nicht auf einen Parkplatz.»
Während die überdimensionierte, karikierte Figur von Jigme Shitsetsang brannte, zeigte sich der Politiker daneben in bester Laune, posierte für Fotos und war gesprächig. «Was gibt es Schöneres, als der 75. Nörgeli sein zu dürfen? Das ist für mich eine Ehre», sagte er. Seit dem Jahr 2000 wohnt er mit seiner Familie in Wil, seit 17 Jahren ist er in der Wiler Politik aktiv. Dass er nun der aktuelle Nörgeli sein darf, damit hat der FDP-Mann nicht gerechnet.
Ebenso gut gelaunt war Patrick Galli, Präsident der Fasnachtsnachtsgesellschaft Wil (FGW). Seit fünf Jahren präsidiert er die FGW und bilanziert zufrieden: «Wir hatten schönes Wetter am Umzug, es kamen viele Leute und alle Anlässe verliefen friedlich». Gefreut haben ihn auch die positiven Rückmeldungen zum Nörgeli. Der Stadtfest-Standort wird demnach weiterhin ein Thema sein.
Die Basler Guggen und die Tüüfel fielen auf
Rund 18’000 Zuschauende säumten die Umzugsroute am grossen Wiler Fastnachtsumzug. Viele davon waren in ein Kostüm gekleidet, trugen einen Hut, eine Perücke oder waren geschminkt. Rund ein Drittel der Nummern widmete sich der Kakofonie und brachte entsprechend Stimmung. Drei dieser Guggenmusiken fielen besonders auf, wegen ihres Kostüms, aber auch wegen ihrer Masken – und nicht zuletzt wegen ihrer stattlichen Grösse. Alle kamen aus Baselland – die Nachtfalter Schränzer von Pratteln, die Elbisrugger von Füllinsdorf sowie die Fränkeschränzer von Bubendorf.
Alle Aufmerksamkeit auf sich zog die Wiler Tüüfelsgilde 1595. Mehr als 100 Teufel mit ihren schaurigen Masken, die gemäss Verein jedes Mitglied selbst herstellt, und ihren «Sublotere» vermochten zu faszinieren oder Furcht zu erwecken. Ihren zweiten Auftritt hatten sie nach dem Umzug, dann, wenn der Nörgeli fast verbrannt ist. Dann rennen sie um die verkohlte Figur und vertreiben so den Winter.
In drei Minuten vom Nörgeli zum Gestänge
Etliche Umzugswagen waren sehr originell und mit viel Aufwand gestaltet worden. Aufgefallen sind die Bröggler Höggler aus Bruggen. Ihr Wagen gleicht der Werkstatt eines Daniel Düsentriebs oder eines Werkes des Künstlers Jean Tinguely. Ihr Motto hiess nicht umsonst Steampunk. Allerdings reichten die wenigen Minuten, die sie während eines Umzugs an einer Stelle verweilten, nicht, um ihr Werk im Detail zu besichtigen.
Knapp drei Stunden nach Umzugsbeginn endete die diesjährige Wiler Fastnacht auf dem Bleichplatz mit einem lauten Knall. Schnell hüllte sich der Nörgeli in Rauch, und nach etwas mehr als drei Minuten war nur noch das Gestänge zu sehen. Ob nun der Sommer schöner wird oder nicht, darüber entscheidet allerdings nicht die Brenndauer des Wiler Nörgelis.
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