Er baute einst den Wiler Narrenwagen – jetzt fährt er selbst als Hofnarr mit

 
 

14.02.2026

Vor 13 Jahren half Markus Fust beim Bau des ersten Hofnarrenwagens. Nun steht er selbst im Mittelpunkt der Wiler Fastnacht und wird zum 35. Hofnarr gekürt. Wie der Unternehmer Tradition, Tempo und Alphorn unter einen Hut bringt?

Von Zita Meienhofer, Tagblatt.ch

«Es hat mir die Sprache verschlagen», sagt Markus Fust. Keine Worte fand er, als er das Couvert der Wiler Fastnachtsgesellschaft öffnete und – statt des erwarteten Werbebriefs – ein Schreiben in den Händen hielt, das ihm ankündigte, der neue Hofnarr zu sein. «Das kann nicht ich sein», sagte er zu sich. Dann überlegte er sich kurz, ob er dieses Amt überhaupt annehmen könne, und beschloss dann: «Moll, ich will das machen, für mich, für meine Firma, mein Handwerk und die Wirtschaft.» Am Freitagmittag, einige Stunden bevor er im Hof zu Wil den Bakel aus den Händen seiner Vorgängerin Nicole Bosshard erhält, sagt er: «Es freut mich sehr.»

Anerkennung für Firma und Handwerk

Zu dieser Ehre kommt, wer sich in Politik, Wirtschaft, Sport oder Kultur in der Stadt Wil einen Namen gemacht hat. Markus Fust wird zum Hofnarr gekürt, weil er seit fast 30 Jahren eine Schreinerei in Wil mit heute 80 Mitarbeitenden führt. Er produziert nicht nur am Standort, sondern besticht mit seinen innovativen Lösungen und Produkten wie der Online-Schreinerei Ecoleo und der Pulverbeschichtung Woodcat. Damit hat er schweizweit etwas Einzigartiges geschaffen. Zudem bildet er jährlich neun Lehrlinge in den Berufen Schreiner, Zeichner und Industrielackierer aus.

Markus Fust nimmt diese Anerkennung auch für seine Firma, seine Mitarbeitenden und für sein Handwerk entgegen. «Ich schätze es sehr, dass man in Wil dem Handwerk diesen Stellenwert gibt», sagt er. Der 60-Jährige ist in Kirchberg aufgewachsen und hat die Lehre in der Wiler Schreinerei von Kilian Schönenberger absolviert. Nach einigen Wanderjahren und der bestandenen Meisterprüfung machte er sich vor 29 Jahren selbstständig.

Immer einen Schritt voraus

Markus Fust ist es wichtig, immer die Nase vorn zu haben, in der Qualität, aber auch im technischen Fortschritt. Diesen Umstand führt er auf ein Schlüsselerlebnis in seiner Kindheit zurück. Fusts Eltern betrieben einen Bauernhof und haben den Heuet mit Ross und Wagen erledigt, während die anderen Landwirte einen Traktor hatten. «Ich habe uns als rückständig betrachtet und beschloss deshalb für mich, immer einen Schritt voraus sein zu wollen», erklärt er. Diesen technischen Fortschritt führe nun auch dazu, dass er sich nicht über Fachkräftemangel beklagen müsse. «Die Mitarbeitenden haben in unserem Unternehmen die Möglichkeit, alles zu machen. Ihnen stehen bei uns viel mehr Maschinen zur Verfügung als in anderen Schreinereien.»

Das Alphorn befreit ihn vom Alltag

Für das Foto hat Markus Fust ein Alphorn bereitgelegt. Allerdings nicht deshalb, weil es aus Holz gefertigt ist. Seit 13 Jahren ist das Alphorn seine Leidenschaft. Täglich spielt er dieses Instrument. Einerseits, um zu üben, andererseits für sich selbst. «Das tut mir gut, befreit und so kann ich vom Alltag herunterfahren.» Wöchentlich trifft er sich mit anderen Alphornbläsern aus der Region zur gemeinsamen Probe und gelegentlich für einen Auftritt. Alphorn ist nicht sein erstes Instrument. In jungen Jahren spielte Markus Fust Flügelhorn in der Blechharmonie Kirchberg.

Musik ist nicht seine einzige Leidenschaft. Noch mehr zieht es ihn in die Natur. Einerseits in den Garten, der ihn erdet, andererseits in die Berge zum Wandern und Skifahren oder als Trailrunner. «Ich liebe alles, was mit Tempo zu tun hat», sagt er. Ebenso gibt er sich gerne dem Kochen und Essen hin. Es gebe viele Dinge, die ihn interessieren und die er noch erlernen oder erleben möchte: Reisen, neue Sprachen oder das Klavierspiel erlernen oder die Töffprüfung absolvieren.

Mitfahren auf dem Wagen, den er einst erbaute

Markus Fust erhält den bedeutendsten Wiler Fastnachtspreis. Ist er auch ein Fastnächtler? «Ich bin nicht der Fastnächtler, aber ich gehe schon an die Fastnacht», sagt er. Früher war er an den Maskenbällen anzutreffen, heute ist er am Gümpelimittwoch in Wil und seit Jahren besucht er den Hofnarrenball. Er schätzt die Fastnachtskultur mit den originellen Kostümen und den Schnitzelbänken.

Was Markus Fust besonders mit der Wiler Fastnacht verbindet, ist die Tatsache, dass er vor 13 Jahren mitbeteiligt war am Aufbau des ersten Hofnarrenwagens. Nun darf er ein erstes Mal darauf mitfahren.