In sechs Tagen übernehmen die Narren
In sechs Tagen übernehmen die Narren
Vom Jubiläumsnörgeli bis zu Guggenmusik – Wil feiert in diesem Jahr Fastnacht in allen Facetten
Von Lui Eigenmann
Die Wiler Fastnacht steht vor der Tür. Patrick Galli, Präsident der Fastnacht-Gesellschaft Wil, erzählt, was hinter dem Motto 2026 steckt, welche Highlights warten und welche Traditionen hochgehalten werden.
Patrick Galli, warum steht das Motto 2026 im Zeichen von «75 Jahre Nörgeli der FGW» und nicht des 75-jährigen Vereinsbestehens? Der Verein hat in der Vergangenheit schon viele eigene Mottos und Plaketten gehabt, und der Nörgeli war dabei immer gleich alt wie der Verein. Jetzt ist es an der Zeit, den Nörgeli ins Zentrum zu stellen. Wir müssen uns nicht immer nur selbst feiern, sondern wollen auch andere Brauchtümer und Traditionen sichtbar machen.
Wie wichtig ist der Nörgeli für die Wiler Fastnacht?
Ich finde den Nörgeli extrem wichtig. Ähnlich wie bei der Bulle gibt es auch beim Nörgeli ein Ratespiel darum, was oder wer dargestellt wird. Wenn es eine Person ist, handelt es sich meist um jemanden, der in den vergangenen Jahren die Gemüter erhitzt hat. Der Nörgeli ist ein Vehikel, um Volksfrust auszudrücken, allerdings immer auf eine nette und lustige Art. Ein besonderes Highlight ist es, wenn der Nörgeli als Person anwesend ist und sich am Schluss sogar selbst anzündet.
Aufgrund neuer Sicherheitsauflagen müssen nun sämtliche Zufahrtsstrassen abgesperrt werden.Wie organisiert die FastnachtGesellschaft Wil das?
Dabei handelt es sich um eine polizeiliche Auflage. Wir stehen in engem Austausch mit Markus Landolt, dem Leiter der Stadtpolizei Wil. Er ist es auch, der uns die Zufahrtsabsicherungen zuteilt. Zudem hat der Stadtrat die Anmietung gewisser Sperren beschlossen. Das bedeutet, dass wir selbst nur noch vier Strassen sperren müssen, was dennoch den Einsatz von insgesamt zwölf Autos erfordert. Da es sich bei diesen Strassen um Blaulichtzufahrten handelt, müssen die Sperren mobil sein. Deshalb stellen wir nicht nur ein oder zwei Autos hin, sondern benötigen zusätzlich Fahrer vor Ort, die im Falle eines Blaulichteinsatzes die Fahrzeuge sofort wegfahren können.
Befürchten Sie, dass die Absperrungen Besucher abschrecken könnten?
Ehrlicherweise ja. In Wil sind wir damit wohl eine der ersten im Kanton, die solche Massnahmen umsetzen, doch das wird zunehmend normalundgehörtimmermehrzumAlltag. Auch wenn ich anfangs sehr skeptisch war, ist Prävention letztlich besser, als wenn etwas passiert
Was werden die Sicherheitsmassnahmen kosten?
Die Anmietung der Sperren wird von der Stadt übernommen. Mehrausgaben entstehen für uns vor allem bei den Verkehrskadetten. Der Einsatz unserer eigenen Autos bedeutet in erster Linie zusätzliche Arbeit. Wir appelieren an das Stadtparlament, dass solche mobilen Sperren nach Möglichkeit angeschafft werden, um die Veranstalter von solchen Grossanlässen zu entlasten. Eventuell könnte man diese auch den umliegenden Gemeinden vermieten. In den Köpfen der Leute ist auch die Tragödie von Crans-Montana präsent.
Welche Auswirkungen hat der Brand auf die Fastnacht?
Fast keine. In Wil haben wir seit Jahren sehr gute Kontrollen. Man fragt sich zwar manchmal, ob es nicht übertrieben ist, doch so ist es besser als umgekehrt. Für dieses Jahr mussten wir das Sicherheitskonzept tatsächlich überarbeiten, das hat jedoch nichts mit dem Vorfall zu tun.
Welche Höhepunkte erwarten die Zuschauer beim grossen Wiler Fastnachtsumzug?
Der Jubiläumsnörgeli steht dabei im Zentrum. Zudem darf man sich auf interessante Sujets aus der Region freuen und natürlich sorgen Guggen aus nah und fern für die passende fastnächtliche Stimmung.
Ein weiteres Highlight ist der Hofnarrenball. Gibt es noch Tickets für den Abend im Stadtsaal?
Allenfalls könnte ich noch wenige Tickets auftreiben, Interessierte muessen sich jedoch jetzt rasch melden.
Auf was dürfen sich die Gäste an der Galaveranstaltung freuen?
Natürlich darf man sich auf den Rückblick des Hofnarrs Nicole Bosshard freuen. Ebenso gespannt wartet man auf die grosse Frage, wer der neue Hofnarr sein wird. Abgerundet wird der Abend durch eine tolle musikalische Begleitung und hervorragendes Essen.
Nach der Fastnacht besucht die FGW andere Fastnachten wie Wangen im Allgäu. Was steckt hinter diesen Ausflügen?
In diesem Jahr feiern wir das 600. Geburtsjahr von Fürstabt Ulrich Rösch. Er wurde 1426 in Wangen im Allgäu geboren und residierte später als Abt in Wil. Wir haben uns mit diesem Thema beschäftigt. Mittlerweile besteht eine Verbundenheit zwischen Wangen und Wil: Wenn in Wangen am Rosenmontag noch ein wenig Fastnacht gefeiert wird, besuchen wir sie gemeinsam mit den «Wiler Tüüfel».
Wie sieht Ihr Terminkalender aus? Haben Sie noch ein Privatleben?
Ja, ich habe mir am letzten Wochenende eine Auszeit genommen, um zu entspannen, bevor es sehr anstrengend wird.