Noch ist der Name streng geheim
Noch ist der Name streng geheim
Seit Wochen wird an einem der Bevölkerung unbekannten Ort am Nörgeli für die diesjährige Wiler Fastnacht gebaut – die WN waren vor Ort
Von Lui Eigenmann
Niemand weiss, wie er aussieht, niemand kennt seinen Namen. An einem verborgenen Ort entsteht der Nörgeli 2026. Die WN durften exklusiv hinter die Kulissen blicken und mit dem Baumeister sprechen.
Noch ist alles streng geheim. Wer dieser Nörgeli wird, der an der diesjährigen Wiler Fastnacht in Flammenaufgeht,weissnur einkleiner Kreis. Seit Mitte Dezember wird an einem der Öffentlichkeit unbekannten Ort gebaut, gesägt, geschraubt und gelacht. Verantwortlich für den Bau ist Stefan Obertüfer, seit 2016 Mitglied der Fastnachtsgesellschaft Wil (FGW), seit 2018 im Neunerrat und Herr über Holz, Karton und Stoff.
Eine eingeschworene Truppe
«Bauen und basteln macht einfach Spass», sagt Obertüfer. Beruflich ist er Schreiner – die Erfahrung hilft. Doch noch wichtiger als handwerkliches Können sei das Team. Zwölf Personen gehören zur Baucrew, eine eingeschworeneTruppe. «Eigentlich könnten wir es in der Hälfte der Zeit schaffen», sagt er und lacht. Zehn bis elf Samstage sind es trotzdem. Nicht aus Notwendigkeit, sondern weil es Freude macht. Töggelikasten, Dartscheibe, Gespräche – Teambuilding gehört genauso dazu wie der Akkuschrauber. Normalerweise startet der Bau bereits im November. Dann ist der Nörgeli nach rund zwei Monaten bereit für seinen grossen Auftritt. Dieses Jahr begann die Arbeit etwas später, der Zeitplan stimmt aber. «Wir sind im Soll», sagt Obertüfer. Gearbeitet wird konzentriert, aber ohne Druck – Fastnacht soll Freude machen, auch hinter den Kulissen.
Wer folgt auf Hans Mäder?
Inhaltlich ist der Nörgeli dieses Jahr eine Wiler Person des öffentlichen Lebens. Im Neunerrat wird jeweils gemeinsam diskutiert, welche Person oder welches Thema sich dafür eignet. «Wir schauen wer die Gemüter erhitzt hat», sagt Obertüfer mit einem Schmunzeln. Politische Sujets oder allgemein Sujets mit Personen seien anspruchsvoll. Der Erkennungswert müsse stimmen, die Figur müsse klar als die gemeinte Person erkennbar sein. Das sei deutlich schwieriger als bei Märchenfiguren. Diese seien einfacher zu bauen und liessen mehr Spielraum. Der Garfield aus dem letzten Jahr sei für ihn persönlich einer der schönsten gewesen.
Bauen ohne Plan
Früher wurde der Nörgeli anhand vonZeichnungengeplant.Heuteverzichtet das Team darauf. Es gibt keinen festen Bauplan. Stattdessen arbeitet man mit Fotos des Politikers, bespricht Ideen im Voraus und baut «aus dem Bauch heraus». Zwei Ingenieure im Team sorgen dafür, dass trotz fehlender Zeichnungen alles stabil und sicher bleibt. Der Bau selbst erfolgt in Etappen. Zuerst entsteht der Unterbau, danach wird der Pfosten für den Kopf gesetzt.Der Kopf selbst wird separat gebaut und erst kurz vor der Fastnacht montiert. Das hat Sicherheitsgründe: So kann der Nörgeli problemlos durch die Strassen bis zum Bleichplatz transportiert werden, wo er verbrannt wird. Verwendet wird hauptsächlich Holz, das von der Firma Gschwend zur Verfügung gestellt wird, ergänzt mit Karton und Stoff. Die Rollen im Team sind klar verteilt: Die Männer bauen, die Frauen übernehmen das Malen und Gestalten.
Strenge Regeln
Die Verbrennung selbst nach dem grossen Fastnachtsumzug folgt strengen Regeln. Gezündet wird elektronisch, traditionell darf die dargestellte Person den Knopf drücken. Im Innern befinden sich vier Böller, die von einem Pyrotechniker betreut werden. Er ist sowohl beim Bau als auch bei der Verbrennung dabei. Bewilligungen sind Pflicht, die Sicherheit steht im Vordergrund.Vor zweiJahren wurde die Verbrennung laut Obertüfer vom Kantongefilmt – ohneBeanstandungen. Bis zur Fastnacht bleibt vieles im Verborgenen. Der Name, das Gesicht, die Details. Sicher ist nur: Der Nörgeli ist eine Person. Alles andere bleibt, ganz fastnächtlich, noch ein gut gehütetes Geheimnis.